DSA World Forum

Bekanntmachung von Der Unendliche vom 21.01.17

Das Forum ist umgezogen!
Die neue Adresse findet sich hier.
Hier kann nichts mehr geändert oder gepostet werden.

Mehr Infos dazu im entsprechenden Thread.

Die neuesten Themen

» Nos' Tagebuch
von Würfeldiener Mi 12 Jun 2013, 23:36

» Nostromo Gaiomo Diamantez
von Würfeldiener Do 23 Mai 2013, 03:08

» Preisend die Schönheit, Bruderschwester!
von Würfeldiener Mi 23 Mai 2012, 15:29

» [Video] Masken der Macht
von Würfeldiener Fr 04 März 2011, 00:03

» Willkommen
von Würfeldiener Mi 19 Jan 2011, 22:05

» Hinweis
von Würfeldiener Sa 30 Okt 2010, 22:17

» Kommentare zu Nos' Tagebuch
von Würfeldiener Mo 04 Okt 2010, 14:03


    Nos' Tagebuch

    Austausch
    avatar
    Würfeldiener
    D̼͞i҉̬͓̣e͕͝ ͏͎Ẉ̵ü͔͍̠̣rf̵e̢̝̗l҉͓͕ s̨̬͉̺i҉̭͔̟̩̳n̠̙̦̦̮̣d̯͇͍̟ ̕g̴͍̱̥̝̼e̬̙̺̜͍f̷͕͎̫͙a̼̟͚̟l͏̜̩ļ͚e̢n͚̭

    Anzahl der Beiträge : 3600

    Nos' Tagebuch

    Beitrag von Würfeldiener am Mi 22 Sep 2010, 02:32

    25. Rahja



    Heute ist der 25. Rhaja, ich sitze in meinem Zimmer im Gasthaus „Zum springenden Hirsch“ und möchte von den letzten, sehr ereignisreichen zwei Tagen berichten.
    Die Geschichte beginnt damit, dass ich auf meiner Reise Richtung Norden in -  der etwa 2000 Seelen zählenden - Mittelstadt am großen Fluss zwischen dem Golf von Perricum und dem Raschtullswall, ankam. Dort mietete ich mich in das besagte Zimmer ein und machte mich noch selben Tag auf den Weg zum Markt, um meinen Proviant aufzustocken. Dort kam es dann zu dem Vorfall, der die nachfolgenden Geschehnisse ins Rollen brachte: Ein Haufen von herumstreunenden Kindern schaffte es tatsächlich mir meinen Geldbeutel zu stehlen. Ich verfolgte sofort den vermeintlichen Dieb, nur um bei seiner Stellung herauszufinden, dass er den ergaunerten Beutel schon längst weitergegeben hat.
    Für was genau der Kosmos mich hier strafte, war mir absolut schleierhaft – doch es hätte auch nichts gebracht, sich den Kopf darüber zu zerbrechen und immerhin hatte ich meine Vorräte bereits bezahlt. Darum begab ich einfach direkt Richtung Marktausgang um meine Sachen aus dem Gasthaus zu holen und weiterzureisen.
    Doch es kam anders: Auf halben Weg zum Ausgang hielt mich ein gut zwei Schritt großer Mann auf. Er stellte sich mir als Bruder Wachturm vor, in einer seiner riesigen Pranken hielt er eines der Straßenkinder, in der anderen mein verloren geglaubtes Geldsäckchen. Bruder Wachturm erklärte mir, dass er von der Schmuckhändlerin Yara geschickt worden war und ich doch bitte zu ihr kommen sollte. Den von mir angebotenen Finderlohn von zwei Silberlingen verweigerte er entschieden, stattdessen meinte er jedoch dass Yara eine Gegenleistung fordern würde. Das erschien mir nur angemessen und so begleitete ich Bruder Wachturm zu ihrer Marktbude.
    Dort angekommen stellten sich Yara und ich sich gegenseitig vor, um dann mit ihrer Bitte an mich fortzufahren: Sie erklärte mir, dass ein anderer Schmuckhändler, am Ende des Marktes, schon seit geraumer Zeit hochwertigsten Schmuck deutlich unter Wert verkaufen würde. Dies führte wohl dazu, dass sie kaum noch Waren verkaufen konnte. Auf meine Frage, was ich daran ändern könne antwortete sie mir, dass sie gerne wüsste, wie er diese Preise anbieten könnte. Und da wir davon ausgingen, dass seine Methoden nicht legal sein konnten, bat sie mich dann auch noch darum, ihn seiner gerechten Strafe zu zuführen und damit aus dem Geschäft zu ziehen. Gleichzeitig sollte ich noch zwei Dinge sicherstellen: Zum einen sollten nur legale Methoden genutzt werden und zum anderen wollte sie anschließend seine Quelle nutzen können – um ihren eigenen Gewinn aufzubessern.
    Alles in allem keine leichte Aufgabe die mir da gestellt wurde, wobei eine Sache für mich bereits klar war: So unlauter auch die Methoden des Schmuckhändlers waren, so unehrenhaft war auch das letzte Ziel von Yara, welches ich daher nicht unterstützen wollte.
    Da der Rest ihrer Bitte mir jedoch durchaus vertretbar erschien, fragte ich sie nach einem Ansatzpunkt – immerhin kannte ich niemanden in dieser Stadt und hatte auch noch keine Idee, wie genau ich ihr helfen könnte. Sie meinte daraufhin, dass ich mir Gefährten suchen sollte, die mich bei meiner Aufgabe unterstützen würden. Zu eben jenem Zweck händigte sie mir zehn Silberlinge aus.
    Nach einer knappen Verabschiedung verließ ich ihren kleinen Marktladen und wanderte etwas durch die Stadt, auf der Suche nach einem Mitstreiter. Problematisch war, dass ich noch nicht einmal genau wusste nach welchen Kriterien ich Ausschau halten sollte: Nachtaktiv, Flink, Stadtkundig, Auffällig? Und so war ich auch nicht verwundert als ich nach gut einer Stunde erfolglos auf dem Weg Richtung Herberge war. Doch genau bevor ich das Gebäude betrat kam mein Schicksal wieder ins Gleichgewicht als mir ein dunkel gekleideter Mann über in den Weg lief, dessen Ausstrahlung mich spüren ließ: Der kann mir helfen. Wir kamen so gleich ins Gespräch und ich lud ihn ein, mich später im Gasthaus zu treffen, wo ich ihm dann von der mir erteilten Aufgabe erzählte. Er war auf der Stelle interessiert und fünf Silber später brach er auf um die ersten Informationen zu beschaffen. Ich hoffte zwar, dass er sich an meine Mahnung, das Gesetz zu achten halten würde, doch gleichzeitig wollte ich auch Fortschritte sehen. Wenig Gutes verhieß es schon mal, dass Roman – so hieß meine neue Bekanntschaft - seinen Wein nicht zahlen wollte. Doch was sollte es, man muss dem Glück eine Chance geben sich einzustellen.
    Ich aß gemächlich mein Abendessen und ging dann in mein Zimmer um noch etwas zu meditieren, als mich einige an mein Fenster geworfene Steinchen aufhören ließen. Unten vor dem Gasthaus stand Roman und wollte, dass ich nach unten zu ihm komme, denn er hatte vom Wirt Hausverbot bekommen. Unten angekommen verkündete er mir, die von ihm gewonnenen Neuigkeiten: Der Schmuckhändler bezog seine Waren durch Schmuggler und konnte dadurch den Einfuhrzoll vom Endpreis abziehen. Des Weiteren erwartete er heute Nacht die nächste Lieferung, bei der wir die Zwischenhändler und Mittelsmänner fassen könnten. Das waren überaus erfreuliche Nachrichten, so dass ich Yara’s Münzen nicht in die falschen Hände gegeben hatte.
    Roman und ich einigten uns dann auf folgenden Plan zum weiteren Vorgehen: Er wollte den Laden des Schmuckhändlers beobachten, um dortige Aktivitäten zu den Mittelsmännern und deren Lagerhaus zurückverfolgen zu können. Ich wiederum sollte ihm für die Nacht einen Schlafplatz in der Taverne „Zum schwarzen Schaf“ reservieren und dort auf ihn warten. Er wollte dorthin kommen, wenn er das Lagerhaus gefunden hätte.
    Leider kam alles ganz alles, vor allem kam Roman die ganze Nacht nicht mehr zum vereinbarten Treffpunkt, weshalb ich dort bis in den Morgen ohne zu schlafen, gestanden habe. Als er schließlich bei mir eintraf war die Praiosscheibe bereits auf halber Höhe des Zenits und die Mitteilungen die er zu machen hatte waren erwartungsgemäß nicht allzu erbaulich: Roman hatte zwar die Schmuggler vom Schmuckhändler losgehen sehen, doch im Gegensatz zu diesen wurde er von den am Markt postierten Wachen festgehalten und erst am Morgen wieder frei gelassen. Das war im doppelten Sinne ärgerlich, denn nun wussten wir zwar nicht, wo das Lagerhaus zu finden war, dafür aber um die unter den Gardisten herrschende Korruption.
    Wir setzten uns nach diesem Fehlschlag erst einmal in die Taverne vor der wir eh grade standen und beratschlugen uns über die nächsten Schritte. In jenem Moment kam der Waldmensch Haya Tepe Hapa in die Taverne. (Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Name sich so schreibt, doch zumindest klingt  es so, wenn er ihn ausspricht. Über Haya habe ich noch nicht berichtet, doch er war mir ungefähr zeitgleich mit Roman über den Weg gelaufen und erklärte mir, dass ebenfalls mit dem Fall beauftragt wurde. Scheinbar hatte Yara ihm mich beschrieben und gesagt, dass er mit mir zusammen arbeiten solle. Da ich jedoch den Nutzen eines Waldmenschen – eines offensichtlichen Speerkriegers – bei dieser Aufgabe jedoch noch nicht recht einordnen konnte, ließ ich ihn vorerst seinen eigenen Plänen nachgehen. Doch nun hatte er mich wieder aufgespürt und setzte sich zu uns.) Ich stellte die beiden also einander vor und wir fuhren fort mit der Erwägung unserer Möglichkeiten:
    Eins: Wir würden noch einmal versuchen, eine Lieferung zu beobachten.
    Zwei: Wir würden dem Schmuckhändler einen Besuch abstatten, von dem er sich nicht so schnell erholen würde.
    Drei: Wir würden beim Bürgermeister der Stadt vorsprechen und ihn um Hilfe bitten.
    Möglichkeit Zwei schied von vorneherein aus, da dies in jedem Fall aus dem Rahmen der Gesetzmäßigkeit gefallen wäre und wir somit nicht ehrenwerter als jener Abschaum, den wir zu bekämpfen zu versuchen, wären.
    Die erste Möglichkeit wiederum hatte nicht allzu große Aussichten auf Erfolg, ganz abgesehen davon, dass der Händler seine nächste Lieferung vermutlich nicht so schnell bekommen würde.
    Blieb also das Vorsprechen bei der örtlichen Regierung.
    Zu meiner Freude fand der Ratsherr (der die Aufgaben des Bürgermeisters, vor allem aber die Leitung der Stadtwache, inne hatte) einige Minuten um mit mir und Roman zu reden. Wie erwartet stellte es sich als problematisch heraus, dass wir keine stichfesten Beweise in der Hand hatten, die ein Eingreifen der Gardisten ermöglicht hätten. Allerdings stellte der Ratsherr uns zwei Hilfen in Aussicht: Wenn wir ihm eine genaue Zeit nennen würden, bekämen wir eine Zugangserlaubnis für den Markt – der uns die dortigen Wachen vom Leib halten würde. Zum anderen erklärte er sich bereit, seine Männer das Lagerhaus durchsuchen zu lassen sobald wir ihm sagen können, wo es sich befindet. Das war schon fast mehr als ich zu hoffen gewagt hatte und so bedankte ich mich förmlich beim Ratsherrn und machte mich mit Roman auf den Weg, alles Nötige in die Wege zu leiten.
    Als erstes musste Roman wieder einmal Informationen in Erfahrung bringen, wogegen er sich zuerst ziemlich sträubte doch dann, aufgrund der Einsicht, dass es keinen anderen Weg gab, trotzdem einwilligte. Ich fragte mich, was er schreckliches tun musste, um an derartiges Wissen zu gelangen. Gefallen schien er daran auf jeden Fall nicht zu finden.
    Einige Zeit später wusste Roman dann zu berichten, dass die nächste Lieferung erst in drei Wochen stattfinden würde. Definitiv zu lange zum Warten. Doch er hatte auch den Standort des Lagerhauses in Erfahrung bringen können.
    Wir befanden uns immer noch im „Schwarzen Schaf“, ohne Abschirmung gegen allzu neugierige Ohren. Und wie es der Zufall wollte bekam einer von diesen bei den gerade gefallenen Worten nasse Hände und verließ schleunigst die Schänke. Für uns war der Fall klar und wir setzten dem Schlitzohr nach. Dabei bewies Roman eine erstaunliche natürliche Geschwindigkeit, weswegen die Verfolgung ein rasches Ende nahm. Während ich den augenscheinlichen Tagelöhner zu seinem Verhalten befragte, liefen Roman und Haya direkt weiter Richtung Lagerhaus, um sicherzustellen, dass dort nichts geschah was unser weiteres Vorgehen hätte erschweren können.
    Wie sich herausstellte arbeitete der Geflohene in eben jenen Lagerhaus, hatte aber ziemlich sicher nichts mit den Schmuggelgeschäften zu tun. Trotzdem würde er mir und meinen Kameraden Eintritt in das Lager bescheren können.
    Als ich schließlich das Warenlager erreichte hatte Haya bereits Hinterausgang und Seitenfenster gesichert und Roman stand bereit um mit mir die nun fällige Durchsuchung vorzunehmen. Es gefiel mir zwar nicht, derart das Hausrecht zu brechen – doch auf der anderen Seite gab es nur noch diesen Weg und ich hatte nicht vor, unnötigen Schaden anzurichten, falls sich herausstellen sollte, dass dieses Lagerhaus mit dem Schmuggel nichts zu tun hat.
    Zusammen mit Roman betrat ich das Lagerhaus durch das vordere Tor. Drinnen war man so eben damit beschäftigt einen Karren Kartoffeln zu entladen. Ein Fräulein empfing uns wenig herzlich, was man ihr wohl kaum verübeln konnte. Ich erklärte er ihr die Situation, und sie sah dankswerter Weise ein, dass sie mir besser die Durchsuchung (auch ohne entsprechende Erlaubnis der Stadt) erlauben sollte. Im Gegenzug versicherte ich ihr, niemanden zu stören, nichts zu entwenden und mich zu beeilen. Nichtsdestotrotz stellte sie zwei der stämmigen Arbeiter ab, um Roman und mich bei der Inspektion zu begleiten. Natürlich war in den frei zugänglichen Räumlichkeiten nichts zu finden, was auch nur im Entferntesten auf einen stattfindenden Schmuggel hingedeutet hätte.
    Interessant blieb nur ein verschlossener Raum, für den angeblich niemand der Anwesenden einen Schlüssel besaß. Das Fräulein erklärte mir, dass der Besitzer des Lagerhauses (ich habe seinen Namen leider vergessen), den einzigen Schlüssel besitzt und in dem Raum Aufzeichnungen und teuren Wein lagert. Der Besitzer war aber gerade außer Haus und käme auch erst in drei Wochen (also genau zur nächsten Schmuggellieferung, welch ein Zufall) wieder.
    Das brachte mich in die unangenehme Situation einige meiner speziellen Fähigkeiten einzusetzen, um zu einem vollständigen Ergebnis zu kommen: Roman ging los, um den Ratsherrn um die ausgemachte Durchsuchung zu bitten, während ich im Schreibraum vor der verschlossenen Tür wartete. Das Schloss der Tür wiederum rostete derweil unter Einfluss meines Eisenrost und Patina vor sich hin.
    Als die Wachen eintrafen war von dem Schloss nur noch etwas Staub übrig, was jede weitere Diskussion um einen Schlüssel überflüssig machte. Die Gardisten bestanden auf einer Durchsuchung der nun offenen Kammer unter Ausschluss aller sonstigen Anwesenden. Kurze Zeit später teilten sie uns mit, dass sich in dem Raum nur der besagte Wein und eine verschlossene Truhe befänden. Nun bestanden wir jedoch auf der Öffnung auch dieser Truhe. Es kam zu einem hin und her über Befugnisse, Fähigkeiten und Kosten – mit dem Ergebnis dass sich Roman („Ich habe eine abgebrochene Ausbildung zum Schlosser“) an dem Schloss versuchen dürfe und ich im Falle seines Scheiterns die Kosten für einen professionellen Schlosser übernehmen müsse. Zum Glück meines Geldbeutels reichte Romans Ausbildung vollkommen aus und die Truhe öffnete sich. Drinnen fanden die Gardisten jedoch nur teure, aber unverdächtige Stoffe. Roman geschultem Blick entging jedoch nicht der doppelte Boden der Kiste, weshalb der Schmuggelverdacht weiterhin bestehen blieb.
    Der doppelte Boden stellte sich als Eingang in einen kleinen Kellerraum heraus, in dem schließlich die Lagerpapiere und eine Truhe voller Edelsteine und Geschmeide. Damit war der Fall klar und unsere Persistenz hatte sich ausgezahlt.
    Ich gebe ehrlich zu, dass ich zu diesem Zeitpunkt damit rechnete, das schwierigste überstanden zu haben. Doch wie sich zeigen würde, war dieser Gedanke weit gefehlt…
    Ich besprach mit dem Obergardisten kurz das abschließende Vorgehen: Die Kiste sollte von drei Gardisten zur Garnison gebracht werden, während der Obergardist mit dem Rest der Männer den Schmuckhändler dingfest machen würde. Haya wollte mit Roman dem Obergardisten folgen, während ich bei den drei Gardisten bleiben sollte – zum einen um sicherzustellen dass weder die Gardisten noch irgendwelchen anderen Gestalten die Kiste von ihrem Weg abbringen würden.
    Doch wie es das Schicksal so wollte, geschah genau das: Statt die Kiste Richtung Garnison zu tragen, liefen die beauftragten Gardisten direkt Richtung Fluss und Hafen. Ich wies sie ein erstes Mal daraufhin, was sie jedoch einfach abtaten. Als sie noch etwa 50 Schritte vom Fluss entfernt waren, forderte ich sie schließlich auf, anzuhalten oder sofort die Richtung zu ändern. Sie kamen zwar der ersten Aufforderung nach und stellte die Kiste ab, sahen sich jedoch auch leider in der überlegenen Position. Daher drohten sie mir zuerst, dann machten sie mir ein Angebot, mich mit einem Teil ihrer Beute gehen zu lassen. Ich im Gegenzug forderte sie noch mehrmals dazu auf, es sich zu überlegen und die Kiste zurück zur Garnison zu bringen. Schließlich musste ich einsehen, dass diese Männer nicht mehr auf den rechten Pfad zu bringen waren. Deshalb tat ich so, als würde ich mit ihrem Anführer meinen Anteil aushandeln, während ich mich mit einem Axxeleratus Blitzgeschwind und einem Armatrutz Eisenhaut auf den bevorstehenden Kampf vorbereitete. Bei meinen letzten Worten aktivierte ich den in meinem Stab steckenden Flammenkhunchomer und setzte einen derart schnellen Schlag auf den Anführer, dass er mit dem noch zur Parade erhobene Schwert und dem Ausdruck der Überraschung im Gesicht zu Boden sank. Erst jetzt nahm der Rest der Männer (in der Zwischenzeit waren noch drei Gestalten vom Fluss gekommen) Vernunft an, doch meine Entscheidung war bereits getroffen: Ich verfolgte sie bis zum Fluss und ließ keinen einzigen entkommen. Darauf bin ich gewiss nicht stolz, und ich hätte das auch gerne verhindert. Doch auf der anderen Seite muss man sich vor Augen führen, dass diese Männer nicht nur gegen das Gesetz verstoßen haben, sondern es unterwandert haben während sie es eigentlich durchsetzen sollten. Das ist unverzeihlich, ganz zu schweigen davon dass sie weder Reue noch Besserungswillen gezeigt haben.
    Wie schwer diese Tat trotzdem auf meinem Karma lastet, wird sie schon gleich zeigen: Als ich zurück zum Standort der Truhe kam, war diese verschwunden. Die lange Straße herauf war niemand zu sehen, also musste irgendwelche Halunken die Kiste in die nahe liegende Gasse geschafft haben. Ich sprintete ihnen hinterher, doch wie es in der Natur kleiner Gässchen liegt, verzweigte sich auch diese recht schnell, so dass ich wertvolle Zeit bei der Verfolgung verlor als ich in die Türen unbeteiligter Familien stürzte. Bei der vierten Tür schließlich erwarteten mich zwei Armbrustschützen – geistesgegenwärtig sprang ich zurück und schloss die Tür wieder. Was sollte ich tun? Die Kiste würde den Schmugglern in die Hände fallen, aber ich wusste auch nicht ob und wann Verstärkung eintreffen würde. Daher entschied ich mich zu handeln: Ich legte einen Duplicatus Doppelbild auf mich und trat durch die Tür. Die beiden Schützen zielten jedoch gut und so durchdrangen zwei Armbrustbolzen meine beiden Beine, woraufhin ich der Länge nach auf den Boden flog. Bewegungsunfähig musste ich mit ansehen, wie die beiden augenscheinlichen Flussfahrer hämisch grinsend mit der Kiste in einer Luke im Boden verschwanden. Nur wenige Herzschläge später trat Haya hinter mir in den Raum. Stumm betrachtete er meine Verletzungen, doch ich schickte ihn den beiden Schmugglern hinterher. Immerhin würde ich hier noch eine Weile liegen, doch die beiden würden wir nie wieder finden. Er nickte stumm und sprang ebenfalls in das Loch.
    So lag ich nun dort, meine Beine brannten wie Feuer, ich spürte die beiden rauen Holzschäfte, die meine Muskeln durchbohrt und Knochen zertrümmert hatten.
    Irgendwann kam auch Roman, ich berichtete ihm knapp von den Vorfällen und empfahl ihm, zuerst einmal nach Haya zu sehen, weil ich nicht in Lebensgefahr schweben würde.
    Leider hat all das nicht viel gebracht: Haya hat es am Ende nicht geschafft, die Flusspiraten aufzuhalten und auch Roman konnte ihm leider nicht helfen.
    Ich wurde zu einem sehr fähigen Heiler gebracht und bekam genügend Zeit, um diesen Eintrag zu verfassen.


    Zuletzt von Der Unendliche am Mi 12 Jun 2013, 22:47 bearbeitet; insgesamt 11-mal bearbeitet
    avatar
    Würfeldiener
    D̼͞i҉̬͓̣e͕͝ ͏͎Ẉ̵ü͔͍̠̣rf̵e̢̝̗l҉͓͕ s̨̬͉̺i҉̭͔̟̩̳n̠̙̦̦̮̣d̯͇͍̟ ̕g̴͍̱̥̝̼e̬̙̺̜͍f̷͕͎̫͙a̼̟͚̟l͏̜̩ļ͚e̢n͚̭

    Anzahl der Beiträge : 3600

    02 -- 28. Rhaja, Auf dem Darpat

    Beitrag von Würfeldiener am Sa 02 Okt 2010, 01:55

    28. Rhaja, Auf dem Darpat


    Drei Tage nach meiner Heilung durch die Priester des örtlichen Perainetempels sitze ich auf dem Deck eines Piratenschiffes. Wie es dazu kam, werde ich im Folgenden beschreiben.
    Ich saß noch auf meinem Krankenbett im Tempel, als meine beiden Mitstreiter durch die Tür des mir zugeteilten Einzelzimmers traten. Wir unterhielten uns über die vergangenen Geschehnisse, wobei Roman uns offenbarte, nicht ganz ehrlich gewesen zu sein: Denn er hieß Salinez, war eigentlich eine Frau und eine noch ziemlich Attraktive dazu… selbst ich werde hin und wieder noch überrascht und das war definitiv solch ein Fall!
    Unabhängig davon teilte Salinez die erhaltene Belohnung für den von uns aufgedeckten Schmuggel- beziehungsweise Korruptionsfall auf: Zehn Dukaten vom Ratsherrn und drei Goldstücke vom Oberst der Stadtwache - insgesamt also dreizehn Dukaten. Wir machten kein großes Aufheben um die Summe, sondern teilten sie wie folgt: Dreieinhalb Goldstücke für Salinez’ Aufwendungen, eine halbe Dukate für ein gemeinsames Mahl. Den Rest teilten wir zu gleichen Teilen unter uns Dreien auf. Demnach händigte sie mir sechs Goldstücke für mich und Haya-tepe aus.
    Außerdem wies sie mich noch darauf hin, dass Yara ihr drei weitere Dukaten gegeben hat – und derselbe Betrag wohl auch mir und Haya zustehen würde. Da ich aber diesen Auftrag bereits als Gegenleistung für die Wiederbeschaffung meiner Geldbörse ausgeführt hatte, beschloss ich, dieses Angebot nicht wahrzunehmen.
    Nachdem dies nun geregelt war, gingen wir zusammen in den „Springenden Hirsch“, um unser wohlverdientes Festmahl zu genießen: Gebratenes Wild und köstlichen Rotwein. Nach dem Essen überlegten wir, wo die Reise denn als nächstes hinführen sollte. Haya-Tepe hatte in der Tat eine dringende Aufgabe zu erledigen, die so schnell wie möglich erledigt werden sollte: Er wollte seinen Bruder aus den Fängen der Sklaverei befreien. Damit war für mich bereits klar, wo zu suchen wäre: In der Schwarzen Perle des Südens, der aventurischen Hauptstadt des Sklavenhandels. Wie genau man dort einen einzelnen, ganz bestimmten Moha finden sollte war mir jedoch absolut schleierhaft – nichtsdestotrotz wäre Al’Anfa der richtige Ort um mit der Suche zu beginnen.
    Damit blieb nur noch eine Frage offen: Wie wollten wir dorthin gelangen? Immerhin befanden wir uns momentan in der Grafschaft Perricum, im südlichen Mittelreich – bestimmt fast zweitausend Meilen von Al’Anfa entfernt. Mein Vorschlag, auf dem schnellen und direkten Seeweg zu reisen, fand bei meinen Tischkameraden wenig Anklang. Stattdessen plädierten sie darauf, einen „gemütlichen Marsch“ über Land zu gehen. Ha! Daraufhin klärte ich die beiden erstmal darüber auf, wie „gemütlich“ eine solche Wanderung wäre, quer durch Aranien, vorbei am verfluchten Oron, dann durch die Tulamidenlande, hoffentlich nicht von dem Kriegern (oder Schlimmeren) aus der Khom erwischt zu werden, um schließlich nur noch die Echsensümpfe und den Regenwald zu passieren.
    Das überzeugte schließlich auch Haya und Salinez, so dass sie – unter Murren zwar, aber immerhin – einer Seereise zustimmten.
    Da wir keine Zeit verlieren wollten, begaben wir uns direkt zum örtlichen Flusshafen. Dort angekommen erspähte ich ein kleines, einmastiges Postschiff, das für unsere Zwecke sehr geeignet erschien. Ein Gespräch mit dem Schiffsführer ergab, dass er für die Passage fünf Taler von mir und Haya haben wollte – während sich Salinez an Bord nützlich machen sollte. Mir erschien das ein angemessener Preis für eine zügige Überfahrt nach Perricum und in zwei Götterstunden sollte es auch schon losgehen. Bis dahin hatte jeder noch Gelegenheit, sich mit Proviant einzudecken oder sich anderweitig vorzubereiten.

    Das Schiff machte mit der Strömung und heckwärtigem Wind gute Fahrt, so dass ich mich auf Deck entspannte und meinen Gedanken freien Lauf ließ… bis Haya mit einer unheilsverheißenden Nachricht zu mir kam: „Wir werden verfolgt“, sprach er auf Mohisch, woraufhin ich ihn nach näheren Angaben befragte. Er deutete nur stumm auf ein etwa doppelt so großes Schiff, welches sich in unserem Kielwasser näherte. Irgendwie ungewöhnlich, aber gleich von einer Verfolgung zu reden? Es konnte trotzdem nicht schaden, unserem Kapitän davon zu berichten, um unschöne Überraschungen zu vermeiden. Er reagierte ähnlich wie ich, da er ebenfalls keine konkrete Bedrohung ausmachen konnte. Das andere Schiff indes verringerte weiterhin den Abstand, und deren Besatzung machte keinerlei Anstalten die Geschwindigkeit zu drosseln – stattdessen standen einige von ihnen am Bug und beobachteten uns einfach nur. Ich verschaffte mir ein Bild von der Lage: Ein Schiff mit – geschätzt – zwölf kampffähigen, feindlichgesinnten Männern an Bord würde uns in spätestens 100 Herzschlägen rammen. Auf meiner Seite hatte ich fünf Matrosen und einen Kapitän, die mir bereits jetzt die Kapitulation ans Herz legten. Zusätzlich noch Salinez („Bitte bedenke, dass ich keineswegs kämpfen kann.“) und einen speerbewaffneten Moha. Zwei Flussreisende gegen zwölf Piraten – doch ich hatte keinerlei Lust, mich wieder berauben zu lassen. Ich überlegte fieberhaft, welche Zauber mir hier am weitesten helfen würden, denn mehr als zwei Effekte kann ich nicht aufrechterhalten. Meine Wahl fiel auf den erprobten Armatrutz Eisenhaut plus einen Ecliptifactus Schattenkraft, der uns einen weiteren Mitkämpfer bescheren würde. Kaum hatte ich meinem Schatten Kraft eingehaucht sprang er auch schon auf das Piratenschiff und der Kampf entbrannte!
    Drei der Halunken waren mit Armbrüsten bewaffnet, zwei von ihnen schossen sofort auf den Schatten, während der Dritte panisch Reißaus nahm und von Bord sprang. Kaum hatten die beiden ihren Bolzen von der Sehne geschickt, als auch schon einer von ihnen von Hayas heranfliegenden Speer durchbohrt wurde. Meine Erwartungen in dem mohischen Krieger waren also nicht ungerechtfertigt, sehr gut. Ich folgte meinem Schatten und sprang ebenfalls auf das andere Schiff. Hier formierten sich so eben sechs Piraten, mit dabei deren augenscheinlicher Kapitän. Außerdem bemerkte ich einen wahren Hünen von einem Mann, der vermutlich sogar Thorwaler war. Mein Schatten und ich hielten jeweils problemlos drei der Raubeine in Schach, während sich in meinem Rücken Haya näherte. Schon beim ersten funkenstobenden Treffer mit meinem flammenden Khunchomer war den Gesichtern meiner Gegner die bröckelnde Moral anzusehen. Als dann aber auch noch der Schatten mit dem dämonischen Gegenstück zu meiner Waffe einen Treffer landete, war es um die Kampfeslust der Piraten geschehen: Sie wichen zurück und sprangen dann sogar von ihrem eigenen Boot. Nicht jedoch der Thorwaler: Ihm stand der blanke Wahnsinn in die Augen geschrieben, er begann mit den Zähnen zu mahlen und aus dem Mund zu schäumen. Kein schöner Anblick. Zum Glück war Haya bereits da, so dass wir versuchen konnten den Koloss möglichst schnell zu Fall zu bringen. Ein Treffer mit dem Flammensäbel. Ein Treffer mit der Dämonenklinge. Ein Treffer mit dem Mohaspeer. Der Riese stand noch und holte – zu meinem Entsetzen – unter animalischen Brüllen zu einem Vernichtungsschlag mit seiner Einhandaxt aus. Doch Phex stand mir bei, denn genauso energiegeladen, genauso ungezielt war dieser Schlag auch und verfehlte mich um ein gutes Handbreit, so dass sich die Axt neben mir in die Schiffsplanken grub. Ein weiterer Angriff von jedem in meinem Team später, lag der Bulle blutüberströmt vor uns – nicht mehr in der Lage, jemals wieder Schaden anzurichten. Damit war der Kampf vorbei, und wir sind absolut unbeschadet daraus hervor gegangen. Zusätzlich scheinen wir noch ein neues Wasserfahrzeug gewonnen zu haben, doch das wird sich gleich zeigen, wenn die anderen den Schreck des Überfalls überwunden haben.

    Da ich jetzt hier eh schon so gemütlich sitze und mein Eintrag noch nicht allzu lang ist, möchte ich meine Tinte nutzen, um ein wenig mehr über meine Weggefährten, mit denen ich ja eine nun doch recht lange Reise angetreten habe, zu berichten.
    Zuerst einmal ist da der Vollblut-Moha Haya-Tepe-Hapa. Sein Name bedeutet soviel wie Der-Mann-mit-den-drei-Speeren, und genau die trägt er auch ständig auf seinem Rücken mit sich herum. Zusätzlich trägt er noch einen etwas längeren Speer in der Hand. Ich denke er ist ein Stammeskrieger der Moha, der ausgezogen ist, um einen (oder seinen) Bruder zu befreien. Wie genau er sich dabei ins Mittelreich verlaufen hat, ist mir schleierhaft. Seine Haare trägt er als eine kurze Haarbürste, nur hinten lässt er einen kleinen geflochtenen Zopf hängen. Als Kleidung trägt er eine überaus auffällige, bunte Art von Kleid, dessen korrekte Bezeichnung ich leider nicht kenne.
    Meine andere Mitreisende heißt Salinez, ihren Familiennamen hat sie mir bisher noch nicht verraten – aber vielleicht hat sie auch gar keinen, wer weiß. Augenscheinlich stammt sie ebenfalls aus dem Volk der Waldmenschen, aber dort ist sie garantiert nicht aufgewachsen. Nein, sie ist eindeutig ein Kind der Stadt, denn sie steht Phex offensichtlich sehr nahe, was sich in ihrer Redegewandtheit, Verkleidungskünsten und einer angeblichen, abgebrochenen Schlosserausbildung zeigt. Ich möchte an dieser Stelle nicht verschweigen, dass sie mir – rein äußerlich – sehr gut gefällt, auch wenn ich sie das nicht merken lasse. Wie ich schon einmal schrieb ist sie ziemlich flink zu Fuß, was sich vielleicht auch auf ihr Mohaerbe zurückführen lässt. Meistens trägt sie dunkle, zweckmäßige Kleidung mit Platz für allerlei Kleinwerkzeug, doch wie gesagt versteht sie es auch durchaus sich für die höhere Gesellschaft zurechtzumachen.

    Das soll es für heute gewesen sein, ich bin gespannt wie unsere Fahrt nach Al’Anfa verläuft.


    Zuletzt von Raoul am Sa 30 Okt 2010, 22:19 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
    avatar
    Würfeldiener
    D̼͞i҉̬͓̣e͕͝ ͏͎Ẉ̵ü͔͍̠̣rf̵e̢̝̗l҉͓͕ s̨̬͉̺i҉̭͔̟̩̳n̠̙̦̦̮̣d̯͇͍̟ ̕g̴͍̱̥̝̼e̬̙̺̜͍f̷͕͎̫͙a̼̟͚̟l͏̜̩ļ͚e̢n͚̭

    Anzahl der Beiträge : 3600

    03 -- 29. Rahja, Ausgang Bluttal

    Beitrag von Würfeldiener am Di 09 Nov 2010, 02:57

    29. Rahja, Ausgang Bluttal

    Gerade einmal ein Tag ist vergangen, seit ich das letzte Mal dieses Buch aufschlug und meinen Reisebericht fortsetzte…
    Ich saß also nach dem überstandenen Kampf auf dem Deck des größeren Schiffs, als der Kapitän des Postfrachters zu mir kam. Wie er mir mitteilte war er von unserem Sieg so überrascht, dass er nicht einmal genau wusste, was mit dem gewonnenen Schiff anzufangen war. Wir konnten uns dann darauf einigen, das größere Schiff bei der nächsten Flusszollstelle abzugeben – mit einem Hinweis auf die vormaligen Besitzer, die eigentlich unser Hab und Gut erbeuten wollten.
    Bis es aber soweit gewesen war, musste das größere der beiden Wasserfahrzeuge bemannt werden während das Andere im Schlepptau mitgezogen wurde. Nachdem das alles eingerichtet war ging die Fahrt stromabwärts weiter, immer Richtung Perricum.
    Die Praiosscheibe war noch auf der Hälfte ihrer Höhe, als wir die nächste Stadt erreichten: Sperrketten einer Zollstation blockierten uns die Weiterfahrt und am Ufer begrüßte uns ein schmerbäuchiger Zöllner mit einem großväterlichen Lächeln. Unser Kapitän, meine Reisegefährten und ich gingen also von Bord um mit ihm die Durchfahrtsbedingungen zu verhandeln. Er wollte ein paar Silberstücke pro Person von allen Passagieren (mit dem Kapitän hatte er scheinbar eine bestehende Abmachung), die wir natürlich zahlten. Dann sprach Hafenmeister Olbart (so stellte er sich uns vor) jedoch ein anderes Thema an, dass unsere Reise noch deutlich beeinflusst hat: Aufgrund regionaler, politischer Machtkämpfe durften keine Schiffe die Stadt in Richtung Perricum verlassen – Ausnahmegenehmigungen wurden nur vom Baron erteilt. Dementsprechend erkundigte ich mich direkt nach einer möglichen Audienz und wies bei dieser Gelegenheit auf unser zweites Schiff und die zugehörigen Piraten hin. Daraufhin schrieb mir der zuvorkommende Hafenmeister eine kurze Nachricht für den Baron, die mir gleichzeitig den Zugang zu dessen Residenz ermöglichen sollte.
    Wir dankten Olbart vielmals, vereinbarten mit unserem Kapitän noch einen Treffpunkt zum nächsten Sonnenaufgang und spazierten hinein nach „Haven“, Richtung Reichenviertel zum Baron. Kaum drei Schritte vom Zollhaus entfernt wurden wir von einem Mann aufgehalten. Wobei „Mann“ an dieser Stelle nur auf einen erwachsenen, männlichen Menschen hinweisen soll. Ansonsten hatte die Gestalt eher weniger männliches an sich: Er war nicht einmal so groß wie ein Zehnjähriger, keine Spur von Bartwuchs, lange Haare… der winzige Zauberstab in seiner Hand und die magische Symbole auf seiner Kledage wiesen ihn jedoch augenscheinlich als Gildenmagier aus. Ziemlich sonderbarer Vogel. „Ich habe zufällig euer Gespräch belauscht…“, erzählte er uns. Und dass er ebenfalls zum Baron möchte, aber noch nicht einmal in den entsprechenden Stadtteil gelassen wird. Und dann stellte er sich vor, als „Adeptus Minor Jasper Styrmer“. Großartig, ein geschrumpfter Magier – genau das hat mir doch gefehlt. Da er uns jedoch versprach uns durch die Stadt zu geleiten, nahmen wir ihn mit.
    Natürlich wollte man auch uns den Eintritt in das Viertel verwehren (man kann es den Wachen auch nicht verübeln, immerhin sahen wir aus wie eine Gruppe Strauchdiebe), doch durch Olbarts Schreiben wurde uns der Zutritt dann dennoch gestattet. Ich musste ein wenig schmunzeln, wie viel Aufheben in dieser Stadt um die Residenz der „Reichen“ gemacht wurde – schließlich unterschieden sich die Bauten kaum von denen der Unterstadt, höchstens mal ein zweites Stockwerk oder eine Laterne an der Fassade.
    Eine Ausnahme von dieser schlichten Bauweise bildete das Ratshaus, in dem wir den Baron zu treffen hofften. Natürlich versperrte man uns auch diesmal die Passage, mit der Begründung dass der Baron gerade Kriegsrat abhalten würde – eine Audienz wäre, wenn überhaupt, erst einige Tage später möglich gewesen. Wir versuchten dem Wachposten klar zu machen, dass wir nur wenig Zeit hatten und lediglich eine Durchfahrtsgenehmigung bräuchten – das brachte ihn etwas in Erklärungsnot, woraufhin er sich auf das Argument versteifte, dass meine Gruppe „gegen das Gemeinwohl gerüstet“ sei und eigentlich auf der Stelle die Stadt verlassen müsste. Ich versuchte ihn zu besänftigen, in dem ich selbst meinen Khunchomer ablegte und Haya bat, es mir gleich zu tun. Der sträubte sich jedoch vehement dagegen, sich von seinen Speeren zu trennen. Also entschieden wir, dass Haya vor dem Ratshaus warten muss während Selina, Styrmer und ich rein gingen um mit dem Baron zu reden.
    Man ließ uns einige Zeit im Wartezimmer Platz nehmen, bis schließlich der Baron auftauchte. Er wirkte in der Tat etwas gehetzt, doch ich war schon überaus zufrieden damit, dass er überhaupt Zeit für uns aufbringen konnte. Deshalb schilderte ich ihm auch so knapp wie irgend möglich die Problematik, übergab ihm den Zettel von Olbart und bat um Genehmigung zur Durchreise. Der Baron wollte es jedoch nicht verantworten, Zivilisten in das östlich gelegene Konfliktgebiet ziehen zu lassen, gab uns aber freundlicherweise die Empfehlung, das Gebiet großräumig zu umgehen. Wir nahmen diesen Alternativweg dankend zur Kenntnis, trotzdem erklärten wir ihm, dass wir durchaus auf uns aufpassen können. Nachdem er das gehört hatte, ließ sich der Baron auf einen Kompromiss ein: Das von uns angemietete Schiff durfte zwar nicht weiterfahren, wir jedoch bekamen die Erlaubnis, uns beliebig durch das Gebiet bewegen zu dürfen. Nichtsdestotrotz wies er noch einmal mit Nachdruck auf die drohenden Gefahren des so genannten „Bluttals“ hin – bevor wir schließlich los durften.
    Die Nacht verbrachten wir in einer netten Taverne am Rande der Stadt. Der Magier Styrmer hatte scheinbar beschlossen uns zu (ver-)folgen, denn er wich seit diesem Augenblick nicht mehr von unserer Seite und mietete sich ein Zimmer im selben Gasthaus. Davon unbeirrt machten sich Selina, Haya und ich am nächsten Morgen auf den Weg zum Hafen um den Kapitän des Postschiffs von unserer Reiseänderung zu informieren. Anschließend führte unser Weg aus der Stadt nach Osten. Wie hatten entschieden, den Weg um das Bluttal herum zu gehen, um Konfrontationen zu vermeiden.
    Leider war nicht einmal dieser Gebirgspfad frei zugänglich – denn er verlief durch ein Gebiet welches von Goblins beansprucht wurde… Demnach blieb uns nichts anderes übrig als tatsächlich unser Schicksal im Bluttal herauszufordern. Glücklicherweise hatten wir das gesperrte Tor bereits umgangen, so dass niemand im Tal von unserer Anwesenheit wusste. Und natürlich war es unser Ziel, unentdeckt zu bleiben.
    So wanderten wir also in der Deckung der Flora, überquerten den Fluss an einer flachen Stelle und erreichten eine größere Waldfläche, in der wir erst einmal eine Lagebesprechung vornahmen – denn die Dämmerung stand kurz bevor. Zum einen wären wir in der Nacht noch schwieriger zu sehen gewesen, auf der Gegenseite hätten wir auch nicht allzu viel sehen können. Trotzdem entschieden wir uns am Ende für eine Nachtwanderung, denn niemand wollte unbedingt mehr Zeit in diesem Tal verbringen als nötig.
    Wir überquerten vorsichtig einen der vielen Wege, die das Tal durchzogen und kamen in das nächste bewaldete Areal. Haya, hellhörig wie eh und je, bemerkte schon weitem, dass wir diesmal nicht alleine waren – etwa 150 Schritt von uns entfernt lagerte eine größere Gruppe Soldaten. Das wäre an sich kein Problem gewesen, da sie uns ja noch nicht bemerkt hatten. Nur dann wurde es schwierig, auch unbemerkt an ihnen vorbeizukommen… Der Wald, voller Blätter und Äste forderte seinen Tribut: Nach einigen ungelenken Schritten meinerseits schallten Rufen vom Soldatenlager zu uns herüber: „Hey, wer da?“ „Is’ da wer?“ Im Anschluss daran fragten sie auch, ob wir zu einer der beiden Parteien (ich habe deren Bezeichnungen leider vergessen) gehören würden. Wir antworteten den Rufern selbstverständlich nicht, um unsere Position nicht vollends preiszugeben.
    Derweil bewegten wir uns immer weiter weg von den Soldaten, raus aus dem Waldgebiet. Nur Styrmer blieb zurück, doch das war mir in dem Moment ziemlich egal. Zügig erreichten wir den nächsten Weg, mittlerweile fast rennend, weil uns – den Geräuschen nach zu urteilen – immer noch die Soldaten auf der Spur waren.
    Ich bündelte meine gesamte Aufmerksamkeit, um mich in der Dunkelheit der unbekannten Umgebung zu Recht zu finden, da sah ich in der Nacht ein riesiges Tier auf der Straße: Ein fast drei Schritt große, silber schimmernde Katze mit gewaltigen Zähnen. Das hatte uns grade noch gefehlt. Erstaunlich war jedoch, dass die Katze sich nicht rührte, selbst als wir näher kamen. Dann erkannten wir noch etwas: Das Tier trug Styrmers Zeug im Maul - konnte es sein, dass…? Meine Trauer hielt sich stark in Grenzen, viel wichtiger war mir in diesem Augenblick, nicht das nächste Opfer der Bestie zu werden. Allerdings war sie vollgefressen, und vielleicht deshalb auch so träge. Haya und ich wechselnden einen vielsagenden Blick und umkreisten das Geschöpf in sicherem Abstand. Kaum waren wir jedoch wieder zurück auf dem Pfad, da holte uns das Tier ein und platzierte sich abermals vor uns. Das konnte nicht mit rechten Dingen zu gehen… und während die Riesenkatze das Bündel von Styrmer vor uns ablegte, erinnerte ich mich an ein kurzes Gespräch, dass ich mit Styrmer bei Einbruch der Dunkelheit geführt hatte: Er erzählte mir irgendetwas von wegen dass er sich verwandeln könne und für ihn deswegen keinerlei Gefahr bestünde… damals dachte ich nur, der kleine Magier will sich vor mir wichtig machen, also tat ich seine Ausführungen mit einer bissigen Bemerkung ab und dachte nicht weiter an die Sache.
    Aber diese Katze dort auf dem Weg, mit Styrmers Klamotten – das könnte der verwandelte Magier sein. Nach dieser Erkenntnis meinte ich kurz zu Haya „Ich glaub’, das ist Jasper.“ – und wir gingen einfach den Weg weiter, nicht mehr so zügig, denn mittlerweile waren die Geräusche der Verfolgung wieder der Stille der Nacht gewichen.
    Vielleicht etwas zu still, für einen Wald. Haya ging voran, denn seine Sinne übertreffen die meinem bei weitem, wie er schon oft bewiesen hat und was ich überaus zu schätzen weiß. Und, als ob ich es beschworen hätte, bedeutete mir Haya in eben jenem Moment stehen zu bleiben, während er in die Schwärze des Unterholzes zeigte und dann eine ruckartige Bewegung mit der Hand ausführte. Scheinbar ein Hinterhalt. Zugegebenermaßen wusste ich nicht Recht, was ich tun sollte – und auch Haya verharrte komplett regungslos, bis auf seine Rechte, die sich lautlos zu einem der Wurfspeere auf seinem Rücken bewegte. Es verging einer dieser Momente, von denen man nicht sagen kann ob sie nur wenige Herzschläge oder mehrere Götterstunden dauern, anfühlen tat es sich wie beides. Auf einmal jedoch bricht ein markerschütternder Schrei aus den Gebüschen, genau dort wo Haya hingedeutet hatte – gefolgt von weiteren Rufen und Lauten des Entsetzens. Keinen Augenblick später sehe ich einen Schemen von einem Mann vor uns auf den Weg hechten – der kurz darauf von Hayas Speer getroffen zu Boden fällt. Seine Kameraden verteilen sich – nach dem was man hört – in die anderen Richtungen des Waldes.
    Bemerkenswert ist Hayas Ruhe und Gelassenheit, mit der er zu Werke geht. Zweimal dreht sich sein Kopf, dann scheint die Lage für ihn absolut klar zu sein und er läuft auf den Verwundeten zu. Ich fragte mich, was er zu diesem Zeitpunkt vorhatte, und vermutete irgendwie, dass Haya ihm gleich den Gnadenstoß geben würde. Doch damit lag ich vollkommen falsch, denn der Moha beugte sich über den verletzten Soldaten, sprach beruhigend auf ihn ein und verband ihn sorgsam. Als ich dazu kam, konnte ich hören, was der Soldat die ganze Zeit panisch vor sich hinsprach: „Es war der Zant! Der Zant! Er war es…!“ Ein Zant? Bitte nicht doch… auch wenn das eine sehr plausible Erklärung für die Umbenennung des Tals gewesen wäre. Moment – Vorhin auf dem Weg saß der vermeintlich verwandelte Styrmer, eine riesige Katze mit ebenso riesigen Zähne – die Beschreibung passt auch auf alles, was ich bisher über Zants gehört habe. Boron steh uns bei, wenn das wahr ist… Ich nahm Haya kurz beiseite und erläuterte ihm meinen Gedanken in Kürze, mit der Schlussfolgerung dass wir uns vor dem Magier durchaus in Acht nehmen sollten.
    Der Soldat war kaum auskunftsfähig, doch immerhin verriet er uns, dass wir nur dieser Straße folgen müssten um zu einem Dorf zu gelangen – dieses würde er aber unter keinen Umständen betreten. Was dort genau los sei, wollte oder konnte er uns jedoch nicht berichten.
    Egal, ich wollte raus aus diesem Tal und hatte eh nicht vor, irgendwelche Dörfer zu besuchen. Also schlugen wir einen Bogen um das Dorf und erblickten bei Sonnenaufgang den Ausgang des Tals. Mittlerweile hatte sich auch Styrmer in menschlicher Gestalt wieder unserer Gruppe angeschlossen, doch die Stimmung war gedrückt und es wurde wenig gesprochen.
    Wie schon der Eingang auch war auch diese Seite nicht frei passierbar, in diesem Fall wegen einem Bataillon Soldaten, die genau in dem Pass lagerten. Der verarztete Soldat freute sich ungemein über diesen Anblick und humpelte über die Lichtung zu seinen Kameraden.
    Wir jedoch wollten um jeden Preis Kontakt mit den Streitkräften vermeiden, da eine Verwicklung in die lokalen Streitigkeiten unabwendbar gewesen wäre. Also entwickelten wir den Plan, an dieser Stelle aus dem Tal zu klettern – so wie wir auch hinein gekommen waren. Leider durchkreuzte uns die Höhe der Seitenwände diesen Plan – da kamen wir nicht ohne herabgelassenes Seil herauf.
    Mir blieb wohl nichts anderes übrig, als mal wieder etwas Magie zu wirken. Allerdings nicht in Gegenwart dieses fragwürdigen Magiers. Daher bat ich Haya sich eine Ablenkung für Styrmer auszudenken. Nun gut, kurze Zeit später stellte sich heraus, dass der Moha nicht die ideale Personen für diese Aufgabe war – denn ein „Geh mal das Gelände dort drüben erkunden!“ aus dem Mund eines Waldmenschen wirkt wenig glaubwürdig. Die Situation war wohl verloren, also sagte ich dem Magier einfach wie es war: „Wir wollen dich nicht mehr dabei haben. Ab jetzt gehen wir wieder getrennte Wege.“ Daraufhin verzog sich Styrmer ziemlich beleidigt. Mir sollte es egal sein, Hauptsache unbeobachtet. Doch scheinbar wurde dieses Verhalten vom Kosmos nicht für Gut befunden – und so brauchte ich sagenhafte vier Anläufe, bis ich eine Zone der Levitation mittels des Nihilogravo zustande brachte. Schließlich erzeugt ich dann doch noch eine stabile Matrix und konnte mit Haya sanft die Felswand hinaufschweben.
    Oben angekommen erblickten wir Styrmer, der – ganz der naive Magier – seinen Lagerplatz inklusive Feuerstelle direkt über der Armee aufgeschlagen hatte, höchstens zwanzig Schritt Luftlinie entfernt. Haya und ich lachten kurz über seine Torheit und schritten die Straße hinunter, auf der Suche nach einem wirklich geeigneten Rastplatz – schließlich liegt eine Nacht voller Anspannungen und umso weniger Entspannungen hinter uns.
    avatar
    Würfeldiener
    D̼͞i҉̬͓̣e͕͝ ͏͎Ẉ̵ü͔͍̠̣rf̵e̢̝̗l҉͓͕ s̨̬͉̺i҉̭͔̟̩̳n̠̙̦̦̮̣d̯͇͍̟ ̕g̴͍̱̥̝̼e̬̙̺̜͍f̷͕͎̫͙a̼̟͚̟l͏̜̩ļ͚e̢n͚̭

    Anzahl der Beiträge : 3600

    04 -- 03. Praios, Burgruine nördlich von Perricum

    Beitrag von Würfeldiener am Mo 17 Jan 2011, 14:38

    03. Praios, Burgruine nördlich von Perricum

    Neun Praiosläufe sind ins Land gegangen, seit ich das letzte Mal über meine Reise berichtet habe. Man möchte es mir nachsehen, dass ich nicht über die Ereignisse während der Namenlose Tage berichte, doch diesen Abschnitt würde ich gerne vergessen und nicht noch einmal aufarbeiten.

    Erst gestern habe ich einen meiner Gefährten wiedergetroffen: Zalinez, die hübsche Vagabundin, war zusammen mit einigen anderen Gestalten auf der Straße nach Perricum Richtung Osten unterwegs. Mit dabei war mal wieder der kleinwüchsige, und zur Selbstüberschätzung neigende, Magier Jasper Styrmer; eine wunderschöne, in ein grünes Kleid gehüllte Tulamdin, die sich als Aïza as-Sarjaban vorstellte; Und schlussendlich ein laufendes Arsenal aus dem Volk der Zwerge, namens Dobrosch, Sohn des Drogbarts.
    Noch bevor die Praiosscheibe im Zenit stand, erreichten wir Perricum und kehrten in die kleine Taverne „Zum zornigen Storch“ ein. Kaum als wir uns zwei Tische zusammengeschoben hatten um alle an einer Tafel Platz nehmen zu können, entbot Magister Styrmer dem Wirt die Erzählung einer Geschichte anstelle einer Bezahlung – worauf dieser sich jedoch nicht einließ und der ein oder andere Besucher in der Taverne mit gewisser Belustigung reagierte. Nichtsdestotrotz wurde die ganze Gruppe freundlich bedient, vermutlich in dem Glauben, dass sich die Bezahlung schon klären würde.
    Das Essen stand auf dem Tisch, alle unterhielten sich gut, als sich die Tür der Schenke öffnete und ein augenscheinlicher Wanderprediger fortgeschrittenen Alters in Begleitung einer jungen, blonden Dame den Raum betrat. Er stellte sich denen, die ihn noch nicht kannten – was mich mit einschloss – als Melcher Hiligon, Priester vom Bund des wahren Glaubens, vor. Er erklärte, dass die Frau an seiner Seite, ihn um Hilfe gebeten habe und er diesen Auftrag gerne an uns weitergeben möchte. Mit einem kurzen Blick in die Runde versicherte er sich der Aufmerksamkeit seiner Zuhörer, bevor er fortfuhr. An dieser Stelle sei angemerkt, dass meine Aufmerksamkeit ob der hinter mir liegenden Wanderung nicht mehr auf der maximalen Höhe war, so dass mir bestimmt das ein oder andere Detail entgangen ist. Zum Beispiel will mir auch beim besten Willen der Name der Frau nicht mehr einfallen…
    Fest steht jedoch, dass die Frau aus einer adligen Familie stammte, die von ihrem Grund und Boden vertrieben wurde – und zwar schon vor über 25 Jahren. Aus mir wieder unbekannten Anlass war nun die Zeit gekommen, Beweise für den Anspruch der Familie auf das Land sicherzustellen. Unsere Aufgabe sollte es nun sein, die verlassene Burgruine der Familie zu untersuchen und aussagekräftige Gegenstände zurückzubringen. Ein Standardauftrag.
    Melcher fügte, unnötigerweise wie ich fand, zum Schluss noch hinzu, dass die Dame eine großzügige Belohnung von fünf mal fünf Goldstücken in Aussicht gestellt hat. Da uns der Priester jedoch offenbar nicht allzu sehr traute, ließ er alle Personen am Tisch auf Praios schwören, dass wir auch bei Bezahlung im Voraus den Auftrag erledigen würden… Styrmer schlug vor, den Schwur zu verstärken indem er direkt unter der Praiosscheibe ausgeführt werden sollte; Ich enthielt mich eines Kommentars.
    Nachdem wir fünf also geschworen, das Säckchen mit dem Gold entgegengenommen und Vorbereitungen für eine viertägige Reise getroffen hatten, konnte es ja losgehen. Leider war es mir nicht möglich, ein gleichermaßen günstiges und zuverlässiges Packtier zu finden, obwohl ich – dem Geheimtipp eines Ortskundigen folgend – über eine Stunde im Armenviertel der Stadt verbrachte.
    Vom Nordtor aus ging es zwei Tage zu Fuß immer Richtung Firun. Praios meinte es gut mit uns, so dass wir es weder mit Regen noch mit übermäßiger Hitze zu tun hatten und zur geplanten Zeit die verlassene Burganlage erreichten.
    Schon von weitem erblickten wir den Bergfried, der verlassen auf einem Plateau über den Wald unter ihm wachte. Eine steinerne Schräge ermöglichte den Aufstieg, bis wir schließlich vor einem verfallenen Torhaus standen, dessen Portal lose in den Angeln hing und niemandem mehr den Eintritt verwehrte.
    Im Burghof erwartete uns überraschenderweise … eine gigantische Eiche, die ungeachtet des festgetretenen und felsigen Untergrunds, ihre Wurzeln fast im ganzen Hof ausgebreitet hatte. Vom Torhaus waren es etwa 30 Schritt bis zur gegenüberliegenden Mauer, in der an dieser Stelle ein gut drei Schritt breites Stück fehlte. Zu unserer Rechten erblickten wir ein zweistöckiges Gebäude, vermutlich das Herrenhaus, mit einem Aufgang zum Wehrgang. Auf der anderen Seite, direkt an der Mauer des Torhauses war ein ekelerregender Dreckhaufen aufgeschüttet. Dem gegenüber wiederum befand sich der Burgturm, umgeben von einer vielleicht vier Schritt messenden Wasserfläche, die durch einen hölzernen Steg überbrückt wurde.
    Während Dobrosch und ich ein wirklich interessantes Gespräch über Jasper, dessen Fähigkeiten und den allgemeinen Einfluss der Geschuppten auf diese Welt führten, schwärmten die Anderen in den Hof aus.
    Auf einmal erhob sich eine dumpfe, grollende Stimme aus der Mitte des Hofs – die Eiche war tatsächlich zum Leben erwacht. Styrmer schien das kaum zu beeindrucken, denn er begann direkt ein Gespräch mit dem Baum, als wäre es das normalste von der Welt mit Pflanzen zu kommunizieren. Zalinez jedoch blieb wie vom Donner gerührt stehen, Dobrosch hatte für den Baum nur einen müden Blick und Aïza schien ebenfalls milde überrascht. Mir schwirrten Gedanken durch den Kopf, um was für ein Wesen es sich hier handeln könnte: Ein Waldschrat, ein Elementargeist, eine Dämoneneiche? Es galt also, erhöhte Wachsamkeit an den Tag zu legen – vielleicht war dieser Auftrag doch gar nicht so gewöhnlich, wie er zu sein schien.
    Wir verteilten uns alle im Burghof und stellten in zwei Gruppen Untersuchungen an, die jedoch zu nichts weiter führten.
    Erst nach einem weiteren Gespräch Styrmers mit der Eiche wussten wir, dass sich vier Objekte auf dem Anwesen befanden, die von Interesse waren: Ein Siegelring, ein Schwert, ein Bündel Briefe und ein Amulett. Dobrosch hatte derweil in Erfahrung gebracht, dass unter der Burg mehrere Stämme von Goblins hausten – und einer davon im Besitz eines Praiosmedallions war. Ein anderer Stamm hatte ihm zusätzlich noch verraten, dass es zwei Kisten (eine im Turm und eine im Herrenhaus) gab, in denen wertvolle Gegenstände untergebracht waren.
    Und Zalinez wiederum hatte den Turm erkundet – mit dem Ergebnis, dass sich auf dessen Dach einige belebte Skelette herumtrieben - unter Praios Antlitz!
    Nun gut, damit hatten wir bereits eine Menge herausgefunden, doch Praois’ Scheibe schickte sich auch bereits an, hinter dem Horizont zu versinken. Dessen ungeachtet schlug ich vor, noch das Herrenhaus genauer zu inspizieren – denn dort drinnen würde es auch bei Tag nicht viel heller sein.
    Trotz Gegenstimmen setzten wir diesen Plan in die Tat um und fanden kurz nach betreten des zweiten Geschosses (das erste war vollkommen zugewuchert) die erste der versprochenen Kisten – in einem Raum voller Fallen, wie die unvorsichtige Zalinez prompt feststellen musste. Glücklicherweise war Adeptus Styrmer zur Stelle, um fachkompetente Hilfe zu leisten, auch wenn ihn dies offensichtlich stark unter Stress setzte und er in einem spontanen Anfall mich und Dobrosch anschrie. Kurz verdutzt, dann jedoch belustigt von dem Ausbruch widmete ich mich wieder dem Gespräch mit Dobrosch, jedoch stets mit einem Ohr in die Nacht lauschend… denn ganz geheuer war mir dieser Platz nicht – als mir plötzlich eine Druckwelle aus Richtung der sonst so unauffälligen Aïza entgegen prallte, die nicht nur alle Anwesenden (abgesehen von Aïza) von den Beinen fegte sondern auch alle Fallen im Nebenraum auslöste und eine ansehnliche Zerstörung hinterließ. Unfassbarerweise stand jedoch auch die begehrte Kiste genau zu Aïzas Füßen. Was für eine Macht war denn hier am Werk? Doch für lange Erklärungen war jetzt nicht die Zeit, so etwas hebt man sich für einen gemütlichen Abend in der Schenke oder am Lagerfeuer auf.
    Jemand entdeckte das bisher verborgene Schloss an der Rückseite der Kiste – und keine drei Augenblicke später hielten wir den gesuchten Siegelring in den Händen. Ein erster Erfolg.
    In diesem Moment jedoch hörten wir von draußen Bellen und eilige, gestiefelte Schritte. Sofort wurden die beiden lichtspendenden Kerzen gelöscht, doch zu spät: Einer der Suchhunde hatte uns bereits erschnüffelt und gab Alarm, woraufhin die Männer unter lauten Rufen in Richtung des Wehrgangsaufgangs stürmten. Hier sei erwähnt, dass der Eingang zum Obergeschoss des Herrenhauses direkt über diesen Aufgang zu erreichen war.
    Der Zwerg hatte die Lage bereits richtig eingeschätzt und stürmte mit geladener Armbrust auf den Wehrgang – ein Sirren, ein Schrei – scheinbar ein Treffer. Doch ich sehe, wie Dobrosch von einem riesigen Hund umgesprungen wurde. Ich presche los, um diesen elenden Köter vom Zwerg zu trennen – doch selbst nach einem saftigen Treffer mit meinem Khunchomer lässt die Töle nicht von Dobrosch ab. Aus dem Augenwinkel beobachte ich, wie ein Soldat (das Wappen auf seiner Brust zeichnet ihn als solchen aus) die Treppe hinaufgerannt kommt. Ich bringe mich in Position um ihn nicht den Wehrgang erklimmen zu lassen und brülle ihm entgegen, was das Ganze hier soll. Er antwortet mir mit einem Schwertstreich, den ich geschickt abwehre. Statt ihm ebenfalls meinem Säbel entgegen zuschmettern, frage ich ein weiteres Mal nach dem Grund für diesen Angriff. Er grinst nur dämlich und landet einen weiteren Schlag auf meiner Waffe. Ein leichtes Kribbeln im Nacken verrät mir, dass ich noch von jemand anders anvisiert werde, doch mir bleibt keine Zeit mich umzuschauen. Ich beiße schon die Zähne zusammen ob des Schmerzes, den das demnächst eintreffende Geschoss anrichten wird – doch dann wird der ebend noch so dreist grinsende Soldat direkt vor mir mitten in seinen Hintern von einem Bolzen getroffen und für mich bleibt nicht mehr als das Prickeln auf der Haut, wo ich mit einem Treffer gerechnet habe. Der Soldat rollt schwer verwundet rückwärts die Treppe hinunter und regt sich nicht mehr. Da erzähl mir doch einer, es gäbe kein Karma…
    Ich drehe mich, um nach Dobrosch und seinem anhänglichen Tierchen zu schauen – und tatsächlich wälzen sich beide Geschöpfe immer noch über den steinernen Boden. Mit zwei weiteren Hieben beende ich diesen Bodenkampf, als  Jasper etwas unglaublich Dummes tut: Springt der kleine Kerl doch tatsächlich von der Sicherheit des Wehrgangs auf die verbleibenden Soldaten (ich zähle drei Mann) im Hof hinunter und landet genau auf dem Armbrustschützen. Verdammt, ich halte ja nicht viel von diesem Möchtegern-Magier, aber ganz sicher lasse ich ihn auch nicht durch die Hand dieser Typen sterben. Doch zum Glück denken die Angreifer auch gar nicht mehr daran, uns den Gar aus zu machen – stattdessen flüchten sie so schnell sie können vom Hof. Abgesehen vom Schützen, denn der wurde durch Styrmer von den Beinen geholt. Ich versuche noch den beiden Soldaten nachzusetzen, doch ihr Vorsprung ist zu groß. Selbst dem nachziehenden letzten Soldaten kann ich nicht mehr den Weg abschneiden, zu schnell ist er vom Plateau in den Wald verschwunden.
    avatar
    Würfeldiener
    D̼͞i҉̬͓̣e͕͝ ͏͎Ẉ̵ü͔͍̠̣rf̵e̢̝̗l҉͓͕ s̨̬͉̺i҉̭͔̟̩̳n̠̙̦̦̮̣d̯͇͍̟ ̕g̴͍̱̥̝̼e̬̙̺̜͍f̷͕͎̫͙a̼̟͚̟l͏̜̩ļ͚e̢n͚̭

    Anzahl der Beiträge : 3600

    ??? Hesinde, auf dem Weg nach Thorwal

    Beitrag von Würfeldiener am Mi 12 Jun 2013, 23:36

    ??? Hesinde, auf dem Weg nach Thorwal

    Es ist Winter geworden, und ich reise nach Norden... was habe ich mir dabei bloß gedacht? Der große Nostromo, erfroren in der menschenleeren Wildnis zwischen Joborn und Thorwal. Ich weiß nicht einmal, welches Datum wir genau haben.
    Und gestern haben mich tatsächlich zwei berittene Wegelagerer angegriffen. Bei Boron! Die Beiden haben nicht einmal Verhandlungen angeboten. Dafür hat jetzt einer der beiden eine sehr ernsthafte Armverletzung, wo er den Biss meines Säbels zu spüren bekommen hat. Das ist wirklich eine fantastische Waffe: Nahezu überderisch scharf und trotzdem so perfekt ausgewogen, dass jeder Streich nur so dahinfliegt.
    Ich denke, ich sollte dem Säbel einen Namen geben, immerhin ist er etwas Besonderes, kein austauschbares Stück Stahl, was einfach so an irgendeinen Soldaten ausgegeben wurde. Nein, ein echter zwergischer Schmied namens Brodbar hat ihn für mich gefertigt, nachdem wir zusammen einige wirklich aufregende Tage verbracht haben und schlussendlich den ersten Preis eines Kampf-Turniers gewannen. Doch damit nicht genug: Er konnte sogar das Erz verarbeiten, dass mir der dankbare Baron Tankred Rubain-Assiref von Imrah vor langer Zeit überlassen hat.
    So liegt sie nun hier vor mir: Ein wundervolle Klinge, zwergengefertigt aus perfektem Stahl. Ja, ein Name ist mehr als angebracht. Vielleicht etwas mit "Zwerg" drinnen? Und er muss natürlich auch gut klingen, deswegen wird es ein Name aus meiner Muttersprache sein: Enanahoja - die Zwergenklinge!

    Gesponserte Inhalte

    Re: Nos' Tagebuch

    Beitrag von Gesponserte Inhalte


      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Fr 21 Jul 2017, 16:31